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01. - 04 Juli 2020, Schwarzenborn, Hessen

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pikto schulungWissen

Das KWF vermittelt einer breiten Öffentlichkeit forstfachliches Wissen durch Informationsmaterialien, Medien, Workshops, Seminare und Sonderschauen

pikto researchForschung

Seit über 60 Jahren untersucht das KWF Entwicklungen im Bereich Arbeitssicherheit, Umweltschutz und Verfahrenstechnik.

pikto projekteVeranstaltungen

Die Ergebnisse aus Forschung und Wissenschaft werden u.a. in Workshops, Seminaren, Exkursionen sowie forstfachlichen Sonderschauen diskutiert.

Präventionskultur statt Arbeitssicherheitskultur: Kommunikation als Schlüsselkompetenz (with Link to English version)

‚Risikogespräche angemessen führen‘

... unter diesem Titel fand Anfang Dezember am KWF e.V. in Groß-Umstadt ein hierarchieübergreifender Workshop für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Forstbetrieben, Forstverwaltungen und Forstunternehmer sowie für Fachkräfte für Arbeitssicherheit statt. Also ein Workshop für alle, die mit Prävention, Arbeitssicherheit, Gefährdungsbeurteilung sowie Analysen von Unfallhergängen, Beinaheunfällen und deren kritischer Aufarbeitung beschäftigt sind.

Hintergrund
Die Bestrebungen, die Unfallzahlen in der Waldarbeit weiter zu senken, sind nach wie vor allgegenwärtig. Zählt doch die Waldarbeit bis heute zu den unfallträchtigsten Tätigkeiten. Im Zentrum der präventiven Maßnahmen standen bislang – neben der Verbesserung technischer Features an Arbeitsmitteln, Arbeitsgeräten und persönlicher Schutzausrüstungen - in erster Linie Qualifizierungen, die den Forstwirt resp. die Forstwirtin dazu befähigen und motivieren sollten, moderne Verfahren in Holzernte und Holzbringung sicher anzuwenden. Trotz aller Bemühungen in diese Richtungen stagnieren jedoch die Unfallzahlen auf einem nicht tolerierbaren Niveau. Hier schiebt sich die Frage in den Raum, welche Ansatzpunkte es neben den oben genannten gibt, um das Unfallgeschehen in der Waldarbeit in Zukunft deutlich zu senken. Wenn es weder Arbeitsmittel, Arbeitsgeräte noch Verfahren sind, rückt schließlich der Mensch und ‚wie er tickt‘ in den Fokus: Was bewegt also Menschen, sich aus eigener Motivation heraus sicher zu verhalten? Was fördert diese Motivation? Und welcher Kultur bedarf es in einem Unternehmen, die genau das fördert? Was unterscheidet eine Arbeitssicherheitskultur von einer Sicherheits- bzw. Präventionskultur? Welche Rolle spielt dabei die individuelle Risikokompetenz und die Art und Weise des Umgangs miteinander?

Gespräch2

Arbeitssicherheitskultur vs Präventionskultur
Schaut man auf die bisherigen Bemühungen, Arbeit sicher zu gestalten fällt auf, dass ca. 90% der eingesetzten Energie darauf verwendet werden, Risiken zu erkennen, sie anzusprechen, Unfälle und Verletzungen zu thematisieren, konsequent mit unsicheren Verhaltensweisen umzugehen, ständig Menschen für Risiken zu sensibilisieren und auf Fehler aufmerksam zu machen. Die restlichen 10% entfallen darauf, schon vorhandenes, sicheres Verhalten zu erkennen, beizubehalten und auszubauen, zu motivieren, weiterhin sicher zu arbeiten, sich gerne mit Arbeitssicherheit zu beschäftigen, sicheres Verhalten und sichere Zustände zu erkennen und wertzuschätzen, zu zeigen, dass Arbeitssicherheit einen Wert hat und es sich lohnt mitzumachen. Dies bedarf spezifischer Kompetenzen – nämlich kommunikativer und persönlicher – und ist damit eine Frage guter Führung. Die wesentlichen, Motivation erhaltenden Antriebsmotoren im menschlichen Miteinander sind Wertschätzung, Anerkennung und Respekt. Wodurch und wie kann man gegenüber einem Mitarbeiter als Führungskraft im Themenfeld Arbeitssicherheit Anerkennung und Wertschätzung zum Ausdruck bringen? Fallen Ihnen spontan zehn Möglichkeiten ein? Anerkennung und Wertschätzung sind mehr als schlichtes Lob.

Abb Taglieber.pngWertschätzende Kommunikation
Eine klare und wertschätzende Kommunikation ist Grundlage und Ausgangspunkt, für den Wandel von der vorherrschenden Arbeitssicherheitskultur hin zu einer modernen und effektiven Präventionskultur. (siehe Abb. links). Oder anders gesagt: um über ein Nach- und Mitdenken zu einer Einstellungsänderung und damit schließlich zu einer Verhaltensänderung bei Führungskräften und Mitarbeitenden zu gelangen. Wertschätzende Kommunikation als Basis einer Präventionskultur und kompetent geführte Gespräche, die Barrieren abbauen und eine gemeinsame Kommunikationsbasis schaffen, brauchen Übung. Dirk Taglieber erläuterte dies beim Workshop eindrücklich. Wie schwer es ist, von der ‚gewohnten‘ Kommunikation z.B. in althergebrachten Kritikgesprächen auf wertschätzende Kommunikation in den sog. Sicherheitsgesprächen ‚umzuschalten‘, zeigte der praktische Übungsteil des Workshops. Aufgabe war es, eine Holzerntemaßnahme in einem älteren Buchenbestand zu begutachten und in einem Sicherheitsgespräch (Fokus auf sicheres Verhalten) hinsichtlich Aspekte der Arbeitssicherheit kommunikationspsychologisch angemessen mit den Forstwirten zu reflektieren.

Kompetente Risikobewältigung
Forstwirte (mit individueller Risikoaffinität) gehen bei der Arbeit ständig Risiken ein. Die traditionellen Maßnahmen zum Umgang mit Risiken wie Schulungen, jährliche Sicherheitsunterweisungen, Gefährdungsbeurteilungen oder schlicht Verbote, setzen nahtlos an den o.g. 90% an. Wie 'gut' derartige Verbote wirken, ist aus dem Straßenverkehr bekannt. Kaum jemand hält sich z.B. an Geschwindigkeitsbegrenzungen. Menschen werden immer Risiken eingehen und Mitarbeiter werden immer wieder Regeln missachten. Weshalb? Weil es Vorteile hat und zwar emotionale, rationale, psychologische und physiologische. Regulierung als Antwort auf Gefahren alleine genügt demnach nicht. Hinzu kommt, dass Arbeit im Wald in der Regel ‚unbeobachtet‘ stattfindet und deshalb auf eine hohe Eigenmotivation und Risikokompetenz der Forstwirte gebaut werden muss. Gefährdungsbeurteilungen, Risikoanalysen und kompetente Risikobewältigung (Risiko wahrnehmen und bewerten, Handlungsalternativen abwägen, Handeln, Folgen bewerten) sind der Schlüssel dazu, wie Henrik Habenicht von der Uni Jena darlegte.

Gespräch

Fazit
Sollen die Unfallzahlen im Forstbereich in Zukunft dauerhaft gesenkt werden, braucht es den Wechsel von einer klassischen Arbeitssicherheitskultur, die auf Risikokompensation baut, hin zu einer Präventionskultur, die deutlich mehr psychologische und soziologische Aspekte berücksichtigt als es bislang im Rahmen der Arbeitssicherheit getan wurde. Dazu zählen neben der Förderung individueller Risikokompetenz bei den Forstwirten insbesondere die Entwicklung einer wertschätzenden Führungs- und Kommunikationskultur als grundlegende Basis für diesen Wandel.

Dr. Andrea Teutenberg, Dr. Edgar Kastenholz, Joachim Morat, KWF e.V.

English version: Prevention culture instead of occupational safety culture: communication as a key competence

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