Thementage 2017

am 27. & 28. September 2017
Paaren im Glien (Brandenburg)

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Entlohnung in der Waldarbeit

Waldarbeiterentlohung in Deutschland

 

Die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse für die Beschäftigten in forstwirtschaftlichen Verwaltungen, Einrichtungen und Betrieben der Länder ist tariflich geregelt. Hierzu haben sich die deutschen Länder unter dem Namen Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) zu einer Arbeitgebervereinigung zusammengeschlossen. Nach grundlegender Reform des Tarifrechts im öffentlichen Dienst (TV-L) zum Ende 2006 wurden auch die Waldarbeitertarifverträge  der Länder (MTW/MTW-O) neu geregelt. Die neuen Tarifverträge wurden zum 1. Januar 2008 in Kraft gesetzt (TV-Forst). Die Tariftexte zur Tarifreform Forst in ihrer endgültigen Fassung vom 18.12.2007 und deren Anlagen sind auf der Webseite der TdL einsehbar.

Für den Bereich der kommunalen Verwaltungen und Betriebe in Deutschland ist die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) der tarifpoltische und arbeitsrechtliche Dachverband, die kommunalen Arbeitgeberverbände der Länder (KAV) haben die Arbeitsbedingungen und tariflichen Regelungen in ihrem Geltungsbereich umgesetzt.

Ebenfalls von tarifpolitischer Bedeutung ist der Bundesrahmenvertrag für die Arbeitnehmer/innen in Betrieben des Deutschen Forstunternehmer-Verbandes e.V. (DFUV) Dies gilt umso mehr, als auch die verschiedenen Zertifizierungsrichtlinien für die Bewirtschaftung des deutschen Waldes den Einsatz von forstwirtschaftlichen Arbeitskräften auf Grundlage geltender Tarifverträge fordern. Der Bundesrahmentarifvertrag sowie der entsprechende Lohntarifvertrag sind auf den Webseiten des DFUV einzusehen.

Neben den aufgeführten Flächentarifen gibt es in den privaten Forstverwaltungen und in verschiedenen Kommunen weitere alternative Entlohnungsmodelle.

 

Entwicklung der Waldarbeiterentlohnung

Geschichte der Entlohnung in der Holzernte

Bis in die 1930'er Jahre erfolgte die Holzernte im Stücklohn durch "Akkordanten" als freie Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer über den Preis für den geernteten Festmeter oder Raummeter Holz, weitgehend unabhängig von Baumart Stückmasse, Sorte und Hiebsbedingungen. Alle übrigen Arbeiten wurden im Zeitlohn vergütet. Ab Mitte der 1930'er Jahre begann unter dem Einfluß von HILF die Entwicklung überregionaler Holzernte-Tarife auf der Basis von Arbeitsstudien ("induktive Methode"). Wesentliches Kennzeichen hierbei ist die Festlegung von Standardarbeitsverfahren und ihre Untergliederung in Ablaufabschnitte. Dies führte für die norddeutschen Länder zum Einheitshauerlohntarif (EHT). Parallel dazu entstanden die süddeutschen Sortentarife, überwiegend "deduktiv" abgeleitet aus Hiebsabrechnungen. Diese Tarife wurden durch den Siegeszug der EMS ab Mitte der 1950'er Jahre überholt. Die Tarifpartner vereinbarten daher die Erarbeitung eines modernen Holzerntetarifs mit Motorsägenarbeit. Dieser Holzerntetarif (HET) baute auf umfangreichen, im gesamten Bundesgebiet repräsentativ erhobenen Zeitstudien auf, er erwies sich jedoch vor allem wegen Fehler in der Tarifkonstruktion ("Regressionstarif") letztlich als nicht anwendbar. Der FVA Baden-Württemberg ist es gelungen, auf der Basis des HET-Zeitstudienmaterials einen praktikablen Sortentarif (EST) zu erarbeiten, der über zwei Jahrzehnte als Entlohnungsgrundlage diente. Jedoch haben verschiedene Entwicklungen in der Forstwirtschaft dazu geführt, dass auch diese Entlohnungsgrundlage trotz Tarifpflege und Verdienstbegrenzung, sowie anderer Eingriffe überdacht werden musste. Grundsätzliche Probleme waren beispielsweise die zunehmende Mechanisierung der Holzernte verbunden mit der Einführung neuer Arbeitsverfahren, sowie die laufende Änderung der Sortenaushaltung. Dies stelle einen auf Standardarbeitsverfahren basierenden Tarif zunehmend in Frage. Auch konnten die steigenden Qualitätsanforderungen bei der Ausführung der Betriebsarbeiten im Rahmen des EST nur bedingt lohnrelevant berücksichtigt werden. Der im Stücklohn entlohnte Anteil der Holzernte sank zunehmend und lag 1998 unter Einbeziehung der nicht produktiven Lohnstunden bei rund 25%. Die großen Unterschiede zwischen den Verdiensten im Zeitlohn und im Stücklohn führten dazu, alle möglichen Arbeiten zu verakkordieren mit in der Regel zweifelhaften Ergebnissen und erheblichem Aufwand. Der wirtschaftliche Zwang, auch im Verwaltungsbereich zu rationalisieren und einzusparen, führte zur Forderung nach deutlicher Reduzierung des Lohnherleitungsaufwands.

Vom Leistungslohn zum Zeitlohn

Als Alternativen zur bisherigen Entlohnung stellen Prämienlohn, Zeitlohn und Zeitlohn mit Leistungszulage dar. Der Prämienlohn wurde zeitgleich mit der Einführung des EST in einigen Ländern erprobt und eingeführt. Trotz der zusätzlich geschaffenen Möglichkeit einer Bewertung der Arbeitsqualität und gewisser Vereinfachungen bei der Lohnherleitung hat er die in ihn gesetzten Hoffnungen aus verschiedenen Gründen nicht erfüllt und ist letztendlich mit denselben Problemen behaftet wie der Stücklohn.

Der Zeitlohn kam vor allem wegen der großen Lohnspanne zwischen Zeitlohn und Stücklohn zunächst nicht in Frage, obwohl die Gewerkschaften (GGLF) bereits Mitte der 1970'er Jahre einen Grundsatzbeschluß in diese Richtung getroffen hatten.

Insbesondere standen jedoch die schwedischen Erfahrungen, obwohl nicht ohne weiteres auf deutsche Verhältnisse übertragbar, mit einem Leistungsrückgang von rund 25% bei Übergang vom Stücklohn zum Zeitlohn, einer breiten Erprobung im Wege. Diese Bedenken lassen sich für überschaubar große Forstbetriebe relativ ausräumen, zumal durch andere organisatorische und motivatorische Maßnahmen einem befürchteten Leistungsrückgang und damit Stückkostenanstieg begegnet werden kann. So haben in den zurückliegenden Jahren eine Reihe größerer privater und zum Teil auch kommunaler Forstbetriebe mit gutem Erfolg den Schritt zum Zeitlohn getan. Diesem Beispiel waren 1997 zunächst die drei Landesforstverwaltungen Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig Holstein gefolgt (Abbildung 1).

Entlohnung 1997

Abbildung 1: Übersicht Waldarbeiterentlohung 1997

Im Jahr 2007 kam der EST nur noch in den Ländern Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen zur Anwendung (Abbildung 3).

 Entlohung 2007

Abbildung 3: Übersicht Waldarbeiterentlohung 2007

 

Ende des Jahres 2007 war der EST auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ausgelaufen. Im Jahr 2008 entlohnte kein Land mehr im EST (Abbildung 4). Jedoch wird der EST weiterhin teilweise noch   im Bereich der kommunalen und privaten Waldbesitzer angwendet.

 

Entlohnung 2008

 

Abbildung 4: Übersicht der Waldarbeiterentlohung 2008

Weitere Informationen:

Motorsägenkalkulation

Fortschreibung der EST-Geldfaktoren

 

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