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Netzwerk Holzenergie Forst (NHF) 2015

9. NHF-SITZUNG UND 2. NHF-PODIUM

Am Montag, dem 11. Mai fand die 9. Sitzung des Netzwerks Holzenergie Forst (NHF) statt. Schwerpunkthema waren Zertifzierungssysteme für Holzhackschnitzel. Zu diesem Thema referierte Herr Georg Krämer vom IBT-Krämer (Institut für Brennholznutzung). Er vermittelte den Anwesenden einen Überblick über die sehr komplexe Materie. Ein nicht gerade leichtes Unterfangen in Anbetracht der Vielfalt an Normen, bestehenden Zertifizierungssystemen sowie dem gesetzlichen Kontext, in den das Ganze eingebettet ist.

Es traten viele Widersprüchlichkeiten zutage, die eine Harmonisierung und Vereinheitlichung des Prozesses nahelegen, aber wohl in absehbarer Zeit nicht zu erwarten sind. Zweck und Nutzen bleiben somit fraglich, zumal die wenigsten Betriebe, die die Produktion und oder den Handel von Hackschnitzeln gegenwärtig betreiben, weder ein innerbetriebliches Qualitätsmanagement noch eine entsprechende Normenkenntnis besitzen. Beides aber bildet die Basis für eine externe Qualitätsüberwachung sowie gegebenenfalls in deren Folge auch einer Zertifizierung.

04 nhf heinrich G. Kraemer 150511

Krämer stellte weiter fest, dass der mangelnde Eingang der Normen in die Praxis zum einen der Tatsache geschuldet sei, dass in Deutschland die Firmen sich eine Mitwirkung teuer erkaufen müssen, was deshalb vielfach unterbliebe, und zum anderen, dass die Normen wichtige Passagen beinhalten, die völlig praxisfern seien. Letzteres sei insbesondere in zweierlei Hinsicht besonders problematisch: Erstens liefe bereits der Prozess, die EN-Normen in ISO-Normen zu überführen und damit die Fehler fortzuschreiben. Zweitens sei zwar die Norm an sich nicht rechtsverbindlich, dieser Status ändere sich aber ab dem Zeitpunkt, zu dem sie zu einem Vertragsbestandteil würde oder explizit in einer Verordnung oder einem Gesetz darauf verwiesen wird. Abschließend lässt sich feststellen, dass die gesamte Entwicklung beginnend bei der Normierung nicht von der Branche initiiert wurde. Diese kommt bis heute problemlos mit der Ö-Norm zurecht. Der erste Sitzungsteil wurde mit einer intensiven Diskussion abgeschlossen.

Weitere Tagesordnungspunkte bildeten die Waldzertifizierungssysteme
PEFC und FSC, die Entwicklungen auf Europäischer Ebene sowie das EEG.

Präsentation G. Krämer

2. NHF-Podium
Im Anschluss an den ersten Teil der NHF-Sitzung folgte der zweite, öffentliche, Teil der Sitzung mit dem vom NHF organisierten Podium zum Thema „Forstwirtschaft und Naturschutz – Wunsch und Wirklichkeit“.

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Dr. Heino Polley (Leiter der BWI am Thünen Institut) startete mit dem ersten Impulsreferat, in dem er die naturschutzrelevanten Ergebnisse der BWI III vorstellte .So unterliegen bereits heute 25 % der Flächen einem intensiven Schutz. Viele der Flächen fallen dabei gleichzeitig in mehrere Schutzkategorien. Ferner schreitet der Waldumbau weiter voran; so verzeichnen Fichte und Kiefer eine deutliche Flächenabnahme, während gleichzeitig bei Buche, ALH, Eiche und ALN deutliche Flächenzuwächse zu verzeichnen sind. Ferner befinden sich sowohl der Holzvorrat wie auch die Nutzung auf einem Rekordniveau. Gleiches gilt für den Totholzvorrat, der mit 20,6 m³/ha inzwischen 6% des lebenden Vorrates entspricht. Summa summarum 25% Schutzgebiete, 5,6% ohne Nutzung, 82% FFH-WLRT im grünen Bereich, 5,3% besonders geschützte Biotope, 22 Mio. Specht- und Höhlenbäume, mehr Laubholz, mehr alte und dicke Bäume, mehr Totholz, was will man mehr?

Die Antwort darauf versuchte Andreas Krug (Leiter der Abteilung Integrativer Naturschutz und nachhaltige Nutzung, Gentechnik am BfN) im zweiten Impulsreferat zu geben. So seien 2/3 der Wälder nicht naturnah und mit einem Anteil von 57% Nadelholz gäbe es eine starke Abweichung zur pnV (potenziell natürliche Vegetation). Darüber hinaus gäbe es einen sehr hohen Zerschneidungsgrad sowie immer noch viel zu hohe Schalenwildbestände mit der Folge eines nicht akzeptablen Wildverbisses. Ferner plädierte Krug dafür, dass aufgrund der Tatsache, dass nicht auf allen Flächen beide Ziele zufriedenstellend umsetzbar seien, durchaus über segregative Elemente nachgedacht werden müsse. Letzteres stellte er als den BfN-Vorschlag unter dem Titel „Konzept der neuen Multifunktionalität“ vor. Ferner merkte Krug an, dass der Zwang zur „schwarzen Null“ ein Dilemma für Ökologie und Ökonomie darstelle und hier dringend auch ein gesellschaftlicher Umdenkungsprozess stattfinden müsse. Vor allem gelte es, die nach wie vor nicht in Wert gesetzten anderen Dienst- und Vorsorgeleistungen der Forstwirtschaft zu honorieren. Zu guter Letzt sei die stark angestiegene Energieholznutzung ein weiterer Risikofaktor für die Biodiversität.
Auf die Impulsreferate folgten die beiden Kurzstatements des Waldbesitzes durch Prof. Andreas W. Bitter für den Privatwald sowie durch Stefan Pratsch für den größten öffentlichen Waldbesitzer in Deutschland, die Bayerischen Staatsforstbetriebe. Seitens des Waldbesitzes gab es Einigkeit darüber, dass eine Einbindung hinsichtlich der gesellschaftlichen Wünsche und Ansprüche an den Wald oftmals zu spät oder gar nicht erfolge. Des Weiteren würden seit Jahrhunderten umfangreiche Gemeinwohlleistungen erbracht, die überhaupt nur über die gleichzeitige wirtschaftliche Nutzung finanziert werden können. Ebenso sei ein nachhaltiges Bewirtschaften von je her dem Waldbesitz zu eigen, da man immer den nachfolgenden Generationen verpflichtet war und ist und das bereits seit sehr viel längerer Zeit als es den Naturschutzgedanken gäbe.

Pratsch wörtlich: „Eine Frage möchte ich noch dem Publikum stellen: Was meinen Sie? Macht es aus Gründen der Biodiversität mehr Sinn, bestehende Stilllegungsflächen zu vergrößern oder ist es ein größeres Plus, die Anzahl der Trittsteine zu erhöhen? Die Wissenschaft beantwortet uns das eindeutig: Viele kleine Elemente sind ein größerer Gewinn für die Natur. Deshalb lehne ich auch pauschale Stilllegungsquoten ab und befürworte eher, dass wir uns dem Thema Naturschutz im Wald wieder auf wissenschaftlich fundierter Basis, wie etwa dem Studium der Mikrohabitate, stärker widmen. Bei allen den Themen gilt zudem: Wir müssen wieder lernen, gemeinsam mit dem Waldbesitzer die Motivation zum Naturschutz fördern. Was wir aus der Erziehung unserer Kinder längst gelernt haben, trifft auch für uns Erwachsene zu: Es macht keinen Sinn, nur Verordnungen und Vorschriften zu erlassen, wenn wir es versäumen, die sichtbaren, positiven Erfolge des Waldbesitzes angemessen zu honorieren. Unter dem modernen Begriff des „nudging“, dem Anstoß zu zielgerichtetem Handeln, lassen sich gerade für die Naturschutzarbeit im Wald viele Ansatzpunkte ableiten.

Im Anschluss entspann sich eine intensive und bisweilen sehr kontroverse Diskussion. Es ließen sich aber durchaus auch Gemeinsamkeiten erkennen wie z. B. beim Thema Schalenwildbestände und Wildverbiss. Ein kritischer Aspekt seien die häufig wenig mit Fakten hinterlegten Äußerungen seitens der Naturschutzseite. So merkte Dr. Polley kritisch an, es läge z. B. auch eineinhalb Jahre nach Projektabschluss der NWE5-Studie (Natürliche Waldentwicklung als Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt) durch das BfN immer noch
keine Veröffentlichung vor. Einig waren sich die Forstvertreter ebenso in dem Punkt – und das belege die BWI III eindrücklich – dass man sich sehr wohl auf dem richtigen Wege befände. Dies gelte insbesondere für den Waldumbau, aber natürlich auch für das 5%-Ziel. Vor allem könne von mangelnder Nachhaltigkeit im Bereich der Nutzung gar keine Rede sein. Dieses immer wieder gern von der Naturschutzseite gebrauchte Schreckgespenst entbehre jeglicher Grundlage; auch das zeige die BWI ganz eindeutig.

Präsentation Dr. H. Polley

Präsentation M. Krug

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